DIE AKTIVE WEHR VON HEUTE CHRONIK DER FEUERWEHR
(Von der Pflicht- zur Freiwilligen Feuerwehr / Der 2. Weltkrieg / Die Nachkriegsjahre /
Die 70-er und 80-er Jahre in der DDR / Im geeinten Deutschland ab 1990)
 

Getreu dem Motto der Feuerwehren "Retten - Bergen - Löschen - Schützen" kümmern
sich die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr um alle Belange
der Sicherheit in und um die Gemeinde Niederroßla.
Die aktive Wehr unterteilt sich dabei in mehrere Abteilungen:
- die Einsatzgruppe: im Alter von 18 bis 59 Jahren, dabei Atemschutzgeräteträger und
  Maschinisten, absolvierte Ausbildungen reichen vom Grundlehrgang (auf Landkreis-
  ebene) bis zum Führer von Verbänden (auf Landesebene), außerdem verschiedene
  Speziallehrgänge zum ABC-Erkunder und der Berufsfeuerwehren
- mehrere Kameraden der Einsatzgruppe sind in die Betreuung des Erkundungskraft-
  wagens des Landkreises Weimarer Land eingebunden, welcher seit 2002 in Nieder-
  roßla stationiert wurde
- die Brandschutzgruppe: im Alter von 18 bis 59 Jahren, entstand in den 60-er Jahren
  hauptsächlich für Kontrollen im vorbeugenden Brandschutz, auch zur verstärkten Ein-
  bindung von Frauen in die Wehr benutzt, heute "rückwärtige Dienste" mit zum Teil aus
  der Einsatzgruppe ausgeschiedenen Kameraden
- die Alters- und Ehrenabteilung: ab 60 Jahren, aus der Einsatzgruppe ausgeschiedene
  Kameraden
- die Jugendfeuerwehr: ab 6 bis 17 Jahren, "Nachwuchsschmiede" unserer Wehr
- die Wettkampfgruppe: unterschiedlich zusammengesetzt, bildet sich meist spontan
  aus den Reihen der Einsatzgruppe für die Durchführung des alljährlich stattfindenden
  Ausscheid im Löschangriff für Feuerwehren der Verwaltungsgemeinschaft "Ilmtal-
  Weinstraße

Feste Termine: Versammlung / Schulung: 2. Freitag im Monat, 20 Uhr
                              Übung /Ausbildung Einsatzgruppe: 4. Mittwoch im Monat, 18 Uhr
                              Ausbildung Jugendfeuerwehr: Samstag, nach Absprache
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 2014

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla während der Jahreshauptversammlung Februar 2014

(vordere Reihe, von links) Tino Tröbs, Jasmin Zaubitzer, Hannes Schneemann, Tom
Pake, Sofie Müller, Gerd Höncher, Werner Bubat, Siegfried Lunkenbein, Werner Müller,
Steffen Schirmer, Ralf Lindner, Sakir Gürkan, Klaus Scholz
(hintere Reihen, von links) Andreas Schneemann, Ulrich Müller, Annemarie Höncher,
Sigrun Berl, Thomas Arndt, Daniel Bock, Dieter Kalkoff, Uwe Weber, Marcel Müller,
Christian Kalkoff, Marcus Schnetter, Gerhard Stock, Stephan Müller, Klaus Köhler,
Andre Herold, Martin Zimmermann, Frank Lindner, Chris Berl, Achim Glomba, Norbert
Herzog, Jens Vogel, Tobias Höncher, Ortwin Peschka
 

Die Wettkampfgruppe der Feuerwehr Niederroßla
(Gewinner des VG-Pokals 2009 im Löschangriff / Neue Pumpen in Liebstedt)
Die Wettkampfgruppe im Mai 2009 (Foto: Pake, Niederroßla)

Die Wettkampfgruppe im Mai 2009 (Foto: Pake, Niederroßla)

(von links) Ricardo Stegt, Andreas Schneemann (mit Sohn Hannes), Mario Cyrus,
Sakir Gürkan, Christian Kalkoff, Jens Vogel (mit Sohn Robert), Tobias Höncher
 

  Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla auf einen Blick:
  Gründungsdatum: 25.07.1927
  Mitgliederanzahl: (Stand 02.03.2015)
       Einsatzgruppe: 28 / Alters- und Ehrenabteilung: 16 / Jugendfeuerwehr: 12

  Postanschrift: Freiwillige Feuerwehr Niederroßla / OT Niederroßla / D-99510 Ilmtal-Weinstraße /
       Theo-Neubauer-Straße 2a
  Bürgermeister: Thomas Gottweis (OT Pfiffelbach)
  Ortschaftsbürgermeister: Ralf Lindner
  Ortsbrandmeister: Sebastian König (OT Pfiffelbach)
  stellvertretender Ortsbrandmeister: Karsten Schulz (OT Oßmannstedt)
  Wehrleiter: Tino Tröbs
  stellvertretender Wehrleiter: Jens Vogel
  Jugendwart: Achim Glomba
  stellvertretender Jugendwart: Samet Gürkan
  verantwortlicher Maschinist LF 10/10: Tobias Höncher
  verantwortlicher Maschinist ABC-Erkunder: Chris Berl
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Zum Selbstschutz der Einwohner eines Ortes gehörte schon in vergangener Zeit eine
gut funktionierende Feuerabwehr. Die Bürger des Ortes waren zu sorgsamen Umgang
mit Feuer, unter Androhung schwerster Strafen, angehalten. Galt es doch, mit recht
primitiven Mitteln der vergangenen Zeiten, wie z.B. Feuerhaken und Ledereimern, eine
Ausbreitung von Bränden zu verhindern. Auf Grund der verwendeten Baustoffe und der
recht engen Bebauung, meist auch ohne Brandwände zum Nachbarhaus, konnten so
Katastrophen ganze Straßenzüge eines Ortes in Schutt und Asche legen.
So geschehen in Niederroßla im Jahre 1656, als auch die Kirche des Ortes in mitten
eines Großbrandes vernichtet wurde.

Die Hochfürstlich-Sachsen-Weimarische Feuer-Ordnung
Die Hochfürstlich-Sachsen-Weimarische Feuer-Ordnung für die
Stadt Apolda, übrige Land-Städte, Flecken und sämtliche Dorf-
schaften des Fürstenthums Weimar und darzu geschlagener Lande
(Quelle: Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle)

1760 wurde durch die Weimarer Herzogin Anna-Amalia eine für die Zeit fortschrittliche
"Feuerordnung" für die Stadt Apolda  und Umgebung herausgegeben, in welcher die
Gemeinden dazu angehalten wurden, sich Feuerspritzen zu beschaffen. Außerdem
heißt es "...an einem jeden Ort und bey jeder Gemeinde sind zu jeglicher Spritze zwei
junge, starke, vernünftige Männer zu Sprützenmeistern zu bestellen...". (1)
Aus dem Jahr 1766 wird in den Kirchenakten ein Spritzenmeister Lorentz Pfeffer
geführt- ein Zeichen dafür, das die Niederroßlaer Bürger die Feuerordnung zeitnah
umgesetzt haben.
Am 23.11.1881 wurde die Einrichtung einer Pflichtfeuerwehr für Niederroßla bekannt
gegeben. Im Ortsstatut über das Feuerlöschwesen aus dem Jahr 1882 heißt es dazu:
"Jeder hiesige männliche Einwohner vom vollendeten 18. bis 50. Lebensjahr hat die
Verpflichtung, bei der hiesigen Feuerwehr die ihm zugewiesenen Dienste zu leisten,
somit er davon nicht durch das Gesetz befreit oder ausgeschlossen ist. ... Jeder Be-
sitzer von zugeführten Pferden ist verpflichtet, dieselbe zur Bespannung der Spritze und
zur Bespannung des Mannschaftswagen bei einer Entfernung von 2-10 km zu stellen.
Ungehorsam, Vernachlässigung der Dienstpflicht und sonstige Übertretungen des
Gesetzes werden bestraft." (2)
Man konnte sich auch für den Betrag von 3 Mark / Jahr aus der Dienstpflicht loskaufen-
vorausgesetzt, das es mehr dienstfähige Männer gab, als gebraucht wurden.
Nach und nach wurden aus den Reihen der Pflichtfeuerwehren Freiwillige Feuerwehren
gebildet, so auch am 25. Juli1927 in Niederroßla. Die erste offizielle Amtshandlung des
alten und neuen Ortsbrandmeisters Rudolf Gläser bestand darin, die Gemeinde von der
Gründung zu unterrichten und um Unterstützung bei der Beschaffung von Ausrüstungs-
gegenständen zu bitten. Von Gemeindeseite wurde diese Initiative genehmigt und mit
einem Vertrag die Freiwillige Feuerwehr mit der Ausführung des Feuerlöschdienstes
betraut.

Das Gründungsprotokoll der Freiwilligen Feuerwehr Niederroßla   Die Gründungsmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Niederroßla
Das Gründungsprotokoll und die Gründungsmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Niederroßla

Die neu gegründete Wehr bestand zum überwiegenden Teil aus Männern der alten
Pflichtfeuerwehr, die Führung wurde jetzt aus den eigenen Reihen gewählt. Durch einen
Aufruf am Gemeindebrett meldeten sich immerhin 11 weitere Kameraden aus dem Ort.
Als vordringliche Aufgabe sah man es zu Beginn an, die Wehr mit Uniformen auszu-
statten, um auch einheitlich als Feuerwehr auftreten zu können. Die Gründungsfeier
wurde am 11. Dezember 1927 im "Gasthof zur Erholung" unter großen Zuspruch von
Einwohnern und auswärtigen Feuerwehren durchgeführt. Aus den Überschüssen der
Veranstaltung und durch örtlichen Sammellisten konnten später fehlende Ausrüstungs-
teile beschafft werden.
Auf die Pflege der Kameradschaft innerhalb der Wehr wurde viel Wert gelegt, jährliche
Stiftungsfeste oder Ausflüge in die Umgebung zeigen dies eindrucksvoll. Rechtlich
wurde die Freiwillige Feuerwehr als Verein geführt, mit dem Ortsbrandmeister als
1. Vorsitzenden und war im Thüringer Feuerwehrverband registriert.
Der im Jahr 1927 ausgebrochene Brand in der Färberei Mattstedt bescherte der
jungen Wehr den angesehenen Winkel für schnellste Löschhilfe, was auch 1928 auf
einer Ehrentafel im Nachrichtenblatt für das Thüringer Feuerlöschwesen veröffentlicht
wurde.

Die in diesen Jahren üblichen Bezirks-Übungen und Wehrbesichtigungen durch den
Bezirksbrandmeister Bräuning wurden zur vollsten Zufriedenheit absolviert. Neben dem
Übungsdienst wurden auch zahlreiche Arbeitseinsätze im Dorf geleistet, was der Wehr
zu einem guten Ansehen verhalf. Die größten Sorgen bereitete aber die über 90-jährige
Pferdespritze, welche nur noch eingeschränkt diensttauglich war. 1936 kam dann der
neue "Koebe" Anhänger mit einer Tragkraftspritze "Triumph" als Ersatzbeschaffung.
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1930
Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1930

Das Oberkommando (von links) Rudolf Gläser, Paul Müller
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1930   Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1930

Bild links / Die Führungskräfte (von links)
Rudolf Gläser, Paul Müller, Erich Reise, Hans Müller, Hugo Weißenborn, Otto Barth,
Karl Schlömilch, Paul Burkhardt
Bild rechts / Die Spritzenmannschaft (von links)
Hugo Weißenborn, Arno Höncher, Hans Müller, Arthur Koch, Ernst Küchental, Otto
Wachsmann, Fritz Kaliske
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1930   Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1930

Bild links / Die Stützleitermannschaft (von links)
Erich Reise, Eugen Weißenborn, Julius Wolf, Franz Jäschke, Karl Hirschleb, Erich
Eilenstein
Bild rechts / Die Sanitätsmannschaft (von links)
Walter Weidig, Paul Burkhardt, Otto Barth, Paul Groß
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1930   Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1930

Bild links / Die Druckmannschaft (von links)
Otto Barth, Franz Jäschke, Otto Härter, Werner Lindner, Kurt Kirchner, Paul Schacht-
schabe, Kurt Vogel
Bild rechts / Die Schlauchwagenmannschaft (von links)
Karl Schlömilch, Paul Langbein, Paul Schalling, Willy Henniger, Balduin Raddatz, Paul
Henniger, Max Fischer
 

Die Jahre ab 1933 brachten auch für die Feuerwehr einige Änderungen mit sich. So
durfte das Oberkommando der Wehr nicht mit Personen besetzt werden, welche die
Nationalsozialisten bekämpft hatten. Des weiteren wurden der "Hitlergruß" und diverse
Änderungen der Uniformen angeordnet. Ab 1934 wurden die Kameraden Mitglieder im
deutschen Luftschutz-Verband und der Ortsbrandmeister dessen Ortsgruppenführer.
Die Wehr wurde im Zuge der  "Gleichschaltung" 1934 dem Reichswehrministerium und
1936 der Polizei als Hilfsorgan unterstellt. Die Vereinsarbeit wurde bis zum Ausbruch
des 2. Weltkrieges gestattet, der Deutsche Feuerwehrverband jedoch schon 1936
aufgelöst.
Ab 1937 zählt die Wehr auf Grund eines neuen Gesetzes als Löschzug und ist als
solcher im Umkreis von 7,5 Kilometern als Löschhilfe eingeteilt. Das Gut Niederroßla
stellte ab dem Zeitpunkt die "Spritzenfuhre". Erwähnenswert ist dabei, das es von 1937
bis 1939 keinen einzigen Alarmeinsatz gab.
 

Vereinslokal "Zum Elefanten" ca. 1940

Nach der Versammlung im Vereinslokal "Zum Elefanten" ca. 1940 (von links:)
Wirtsleute Anna und Max Bornschein, Erich Eilenstein, Fritz Kaliske, Erika Bornschein,
Ernst Küchental, Paul Müller
 

Versammlung Weihnachten 1942

Versammlung Weihnachten 1942 in der "Roten Schule" (von links)
(4.Reihe oben stehend) Erich Reise, Paul Schalling, Karl Schlömilch, Otto Wachsmann, Balduin Raddatz
(3.Reihe stehend) Eugen Weißenborn, Hans Müller, Fritz Kaliske, Max Lindner, Paul Stommel, Otto Werner, Ernst Küchental, Otto Härter, Karl Winkler, Karl Hirschleb
(2.Reihe sitzend) Erich Eilenstein, ?, ?, Paul Müller
(1.Reihe sitzend) ?, Kurt Kirchner, Max Fischer, Rudolf Gläser, Paul Schachtschabe
 

  Bedeutende Einsätze der Wehr:
  1874: Feuer in Niederroßla
  1884: Großfeuer im Apoldaer Bahnhof
  1891: Scheunenbrand in Niederroßla
  1900: Brand einer Feldscheune bei Niederroßla
  1902: Brand in Kistenfabrik Ungelenk, Apolda
  1904, 1905 und 1906: Scheunenbrand in Niederroßla
  1918: Großfeuer in der Dampffärberei Niederroßla
  1921: Wohnhausbrand in Niederroßla
  1921: Scheunenbrand in Wickerstedt
  1927: Färbereibrand in Mattstedt
  1932: Scheunenbrand in Wersdorf
  1935: Unwetterhilfe in Niederroßla
  1940: Scheunenbrand im Staatsgut Niederroßla
  1945: Brände nach Beschuss des Ortes durch heranrückende amerikanische Armee

  Besondere Auszeichnungen der Wehr:
  1928: Verleihung des Winkels für die schnellste Löschhilfe (zum Färbereibrand in Mattstedt)

  Ortsbrandmeister / Spritzenmeister der Wehr:
  um 1766: Lorentz Pfeffer
  um 1910: Carl Schlömilch
  1925-1927: Rudolf Gläser (in der Pflichtfeuerwehr)
  1927-1945: Rudolf Gläser (in der Freiwilligen Feuerwehr)
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Die Zeit des Nazi-Regimes und des verheerenden 2. Weltkrieges brachte auch für den
Ort Niederroßla viele Opfer. Die Zahl der eingezogenen Einwohner ist nicht erfasst. Der
schreckliche Krieg kostete 119 Männern des Ortes das Leben- jede 3. Familie wurde
betroffen, in mancher gleich mehrere Söhne.

Nach der Musterung zum Wehrdienst 1943

Nach einer Musterung für den Wehrdienst 1943 (in Apolda ?)
(hintere Reihe, von links / Feuerwehrkameraden sind unterstrichen)

Adelbert Jadwitzak, Hugo Wolf, Kurt Vogel (in Kriegsgefangenschaft verstorben) Karl
Schlegel, Hans Müller, Otto Werner, Otto Blank, Kurt Micheel, Ernst Küchenthal
(vordere Reihe, von links / Feuerwehrkameraden sind unterstrichen)
Fritz Kaliske, Karl Hirschleb, Paul Schlönvoigt, Walter Tröbs, Bruno Fischer, Emil Kattke
 

Die Gefallenen oder aus der Gefangenschaft nicht heimgekehrten
Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Niederroßla
 

Die Gedenktafel in der Kirche Niederroßla
Die Gedenktafel in der Kirche Niederroßla

Otto Burkhardt
(ist in der Stammliste als gefallen verzeichnet,
wird auf dem Denkmal nicht aufgeführt)

Arno Höncher


Paul Langbein

Kurt Vogel

Hugo Weißenborn


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Über die Nachkriegsjahre in der Feuerwehr selbst ist nicht allzu viel bekannt, Personell
wurde jedoch die Wehr durch massive Aus- und Eintritte neu geprägt und aufgestellt.
Viele Gründer der Wehr waren im Krieg geblieben oder traten bis 1948 aus. Bis 1942
waren in der Stammliste 62 Kameraden aufgeführt, von denen gerade einmal 7 Männer
im Jahr 1949 übrig blieben. Selbst der 1945 neu ernannte Ortsbrandmeister Karl
Schlömilch trat im Jahr 1948 von seinem Amt zurück. Sicherlich spielte die neue
Macht im Ort und in der sowjetischen Besatzungszone dabei die größte Rolle, aber es
kam auch ein Generationenwechsel in der Wehr dabei zu Stande. In der Zeit von 1946
bis 1949 traten 15 neue Feuerwehrmänner ihren Dienst an.
In den Wirren und Unklarheiten der Nachkriegszeit kam dabei auch ein großer Teil der
alten Uniformen weg, die Lederhelme verschwanden komplett.
Im Jahr 1955 wurde auf Kreisebene ein Bauzug im Rahmen des Katastrophenschutzes
aufgebaut, in welchem auch 9 Kameraden aus Niederroßla vorgesehen waren.
Weitere, neu hinzugekommene Aufgaben der Wehr waren vorbeugende Kontrollen im
Brandschutz in Gewerbeobjekten und Wohnhäusern, außerdem die Überwachung von
staatlichen Veranstaltungen (Wahlen) und der Ernte. Immer mehr nahmen auch die
politischen Schulungen der Wehr und deren Leitung zu, diese wurden von den Volks-
polizei - Kreisämtern Quartalsweise geplant und als "Gegenwartskunde" durchgeführt.
Neben der Feuerwehrausbildung wurden auch zahlreiche Aufbaustunden im "NAW" der
DDR (Nationales Aufbauwerk) geleistet, was auch heute noch an manchen Grünflächen
in Niederroßla sichtbar ist. Erste Anfänge gab es auch in der Teilnahme an Wett-
kämpfen im Feuerwehrkampfsport, an denen sich einzelne Kameraden beteiligten.
Im Jahr 1961 erfolgte der Austausch der vorhandenen Spritze samt Anhänger gegen
eine "Einheits-" TS8 durch den Rat des Kreises Apolda.
Das 40-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Niederroßla wurde im Jahr 1967
mit mehreren Vorführungen und einer Technikschau gefeiert.


Übung des Bauzuges in einer Katastrophenschutz-
übung an der Wasserburg Niederroßla ca. 1960
 
Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1957 (ca.)
Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1957 (ca.)

(von links) Werner Stange, Hans Wölke, Edgar Eilenstein, Max Fischer, Franz Hanse-
litsch, Werner Müller, Hugo Franz, Werner Weißenborn, Heinz Lisker, Walter Tittel, Karl-
Heinz Fase, Rolf Micheel, Max Dressler, Erich Preller, Otto Wachsmann, Hans Freitag,
Paul Höncher, Werner Tittel, Fritz Rockenschuh
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1959
Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1959

(hintere Reihe, von links) Karl-Heinz Fase, Franz Hanselitsch, Heinz Lisker, Otto
Göpfert, Günter Reinhardt, Udo Wolf, Klaus Fischer, Detlef Freitag
(mittlere Reihe, von links) Werner Stange, Erich Preller, Werner Tittel, Rolf Micheel,
Edgar Eilenstein, Heinz Hoffmann, Werner Schlömilch, Hans Wölke
(vordere Reihe, von links) Walter Tittel, Otto Wachsmann, Werner Müller, Werner
Weißenborn, Max Dressler, Hugo Franz, Max Fischer
 

  Bedeutende Einsätze der Wehr:
  1961: mehrere Hochwassereinsätze
  1962: Absicherung der Quarantänemaßnahmen bei der Schweinepest
  1963: Großbrand Färberei Wetzler, Niederroßla
  1966: Großbrand in Möbelfirma Oberroßla
  1966: Großbrand Chemiefirma "Ilmtal" in Mattstedt
  1966: Großbrand Färberei Wetzler, Apolda

  Besondere Auszeichnungen der Wehr:
  1962, 1964 u. 1966: Goldene Aufbaunadel der Nationalen Front

  Ortsbrandmeister / Wehrleiter:
  1945-1948: Karl Schlömilch
  1949-1960: Werner Weißenborn
  1960-1972: Max Dreßler
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Die (19)70-er Jahre begannen mit einem neuen Kapitel in der Geschichte der Wehr:
Ein Löschfahrzeug sollte für Niederroßla beschafft werden. Doch wohin damit, das be-
stehende Gerätehaus an der Buttstädter Straße bot bis dahin lediglich Platz für einen
TSA und die Einsatzbekleidung. In Eigenleistung der Kameraden, laut Zeitungsbericht
mit 728 Arbeitsstunden und wenigen Mitteln der Gemeinde wurde im benachbarten
Schuppen der Standplatz für das LF8 und den STA (Schlauchtransportanhänger) ge-
schaffen. Am 7. Mai 1971 rollte dann der nagelneue LO 1801 auf "Robur" -Basis in die
Gemeinde, wo er dann auch bis 2008 verblieb.
Die bessere Ausstattung hatte natürlich eine verstärkte Übungstätigkeit der gesamten
Wehr zur Folge, auf Grund der größeren Mobilität kam später auch die Eingliederung
in das überörtliche Alarmsystem hinzu. Ende der 70-er Jahre wurde Niederroßla im
Rahmen eines Brandschutzzuges auch in die Zivilverteidigung der DDR einbezogen.

Im Ort selbst war das Brandgeschehen in dieser Zeit sehr ruhig- Einsätze gab es mehr-
fach nur in Apolda zu verzeichnen, wobei die Brandbekämpfung 1983 im damaligen
VEB Thüringer Obertrikotagen Apolda uneinholbar an der Spitze steht. Dort entstand
bei einem Großbrand des Hauptwerkes auf dem Weimarer Berg ein Schaden von ca.
55 Millionen DDR-Mark. In Anerkennung dieses Einsatzes wurde die Freiwillige Feuer-
wehr Niederroßla ausgezeichnet.

Des weiteren erstreckte sich das Betätigungsfeld der Wehr auf die außerschulische
Ausbildung in der Arbeitsgemeinschaft "Junge Brandschutzhelfer" und immer umfang-
reicher auf dem Gebiet des vorbeugenden Brandschutzes. Kontrollobjekte waren:
Wohnstätten, Betriebe, Handelseinrichtungen, Lagerobjekte, Kindereinrichtungen
(Schulen, Kindergarten) und die brandtechnische Überwachung der Ernte, Wahlämter
und öffentlicher Veranstaltungen. Außerdem wurde die Ilmbrücke sauber gehalten und
das Hydrantensystem im Ort regelmäßig begangen und geprüft.
Etliche Kameraden und später auch Kameradinnen absolvierten in der Brandschutz-
gruppe ein so genanntes "organisiertes Selbststudium" zur Erarbeitung von Einsatz-
und Notfallplänen für besonders gefährdete Objekte des Ortes.
Auch aus dem übrigen örtlichen Geschehen war die Wehr nicht wegzudenken, ob bei
Arbeitseinsätzen zur Verschönerung des Ortes oder der Durchführung von Dorffesten-
erinnert sei besonders an das 125-jährige Elefantenfest in Niederroßla im Jahr 1982.
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1971
Zur Fahrzeugübergabe am 07.Mai 1971

(von links) Wehrleiter Max Dressler (Fotomontage), Hugo Franz, Werner Müller,
Bernhard Kirchner, Rolf Micheel (verdeckt), -, Wolfgang Tröbner, Ludwig Kula, Werner
Schlömilch, Werner Tittel, Horst Tittel, Gerhard Schäfer, Klaus Scholz, Walter Tittel, -
 

  Bedeutende Einsätze der Wehr:
  1972: Brand im Laborchemie Apolda
  1973: Brand Kunstharze Mattstedt
  1975: Brand Modische Strickwaren Apolda
  1981: Brand "Astrima" Apolda
  1983: Großfeuer im Thüringer Obertrikotagen Apolda
  1989: Wohnhausbrand in Niederroßla

  Besondere Auszeichnungen der Wehr:
  1973: Verleihung Leistungsstufe III
  1983: Ehrung für Brandeinsatz Thüringer Obertrikotagen Apolda
  1985 / 1989: Verleihung Titel "Vorbildliche Freiwillige Feuerwehr"

  Wehrleiter:
  1972-1990: Werner Müller (sen.)
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Die politische Wende des Jahres 1989 und deutsche Wiedervereinigung 1990 brachte
auch für die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla eine Menge Veränderungen mit sich -
das Aufgabengebiet der Kameraden war jedoch immer noch das Gleiche wie früher.
Neben dem abwehrenden und dem vorbeugenden Brandschutz in der Gemeinde war,
dem stark angestiegenen Fahrzeugverkehr geschuldet, mit der Unfall- und Ölspuren-
beseitigung eine neue Arbeit hinzugekommen. Des weiteren wurde im Jahr 2002 der
ABC-Erkundungskraftwagen, kurz "ABC - Erkunder", in Niederroßla stationiert und
betreut, was eine Eingliederung dieser Einheit in den Gefahrgutzug des Kreises zur
Folge hatte.
Waren die Feuerwehren zu DDR-Zeiten noch dem Ministerium des Inneren, also der
Polizei und der Kreisverwaltung Apolda unterstellt gewesen, gab es ab 1990 einen
neuen Dienstherren: die Gemeinde Niederroßla selbst. Auf Grund des neuen Gesetzes
über den Brand- und Katastrophenschutz in Thüringen wurde es eine Pflichtaufgabe,
eine Feuerwehr aufzustellen und diese auch zu unterhalten. Diese finanziellen Lasten
wurden in den ersten Jahren durch eine Feuerschutzabgabe teilweise abgefangen,
nach deren Abschaffung war der Gemeindehaushalt für alle Brandschutzausgaben
gefordert. Abgesehen von Zuwendungen und Förderungen des Landes Thüringen trat
ab 1990 auch der neu gegründete Feuerwehrverein Niederroßla e.V. in Erscheinung
und unterstützte auf Grund seiner Gemeinnützigkeit die Feuerwehr Niederroßla mit der
Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen und verbesserter Schutzbekleidung.
Die im Jahr 1990 unterzeichnete Partnerschaft von Niederroßla und Weisenheim am
Sand (Rheinland-Pfalz) führte auch auf Feuerwehrebene zu einem guten Erfahrungs-
austausch und gipfelte in der Schenkung eines Tanklöschfahrzeuges TLF 16/23 auf
Basis Magirus-Deutz, welcher den Einsatzwert der Wehr erheblich steigerte.
Ebenfalls im Jahr 1990 wurde die Partnerschaft zur Feuerwehr Meiches im Vogels-
bergkreis (Hessen) aufgebaut und ist seit dem zu einer festen Größe im Vereinsleben
geworden.
Wurden kurz nach der Wende noch "kleinere" Ersatzbeschaffungen vorgenommen
(Einsatzbekleidung, Funktechnik, Atemschutzgeräte), zeichneten sich nach der Jahr-
tausendwende die größten Investitionen Niederroßlas in seine Feuerwehr ab. Das
bisherige Gerätehaus platzte aus allen Nähten, auch teilweise Umbauten innerhalb
des Gebäudes (in Eigenleistung) brachten nur teilweise den gewünschten Nutzeffekt.
Im Jahr 2003 wurde ein neues Gerätehaus auf dem Gelände der abgerissenen
Färberei errichtet (siehe "Standort"). Der in die Jahre gekommene Fuhrpark wurde
im Jahr 2008 ausgetauscht - ein nagelneues Löschfahrzeug LF 10/10 an die Wehr
übergeben.
So positiv sich die Ausrüstung und Ausstattung in den letzten Jahren entwickelte,
der negative Trend beim Personal der Wehr hält an. Der Altersdurchschnitt der
Kameraden geht nach oben - zu wenig junge Leute rutschen aus der Jugendfeuer-
wehr oder dem Ort nach und die starken Jahrgänge gehen in den nächsten Jahren in
die Altersgruppe über.
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1991
Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1991

(hintere Reihe, von links) Jens Vogel, Klaus Köhler, Ulrich Müller, Dieter Kalkoff,
Klaus Scholz, Gerd Höncher, Werner Schlömilch, Thomas Arndt, Norbert Herzog, Horst
Mai, Michael Ziwich, Manfred Bodin, Frank Lindner, Steffen Götze, Manfred Arndt, Olaf
Schlömilch, Andre Herold, Sophie Müller, Detlef Tittel, Annemarie Höncher, Werner
Müller jun., Siegfried Lunkenbein, Andreas Schneemann
(vordere Reihe, von links) Herbert Dogge, Werner Müller sen., Paul Höncher, Heinz
Heinz Hoffmann, Werner Bubat
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1993
Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 1993

(hintere Reihe, von links) Andreas Schneemann, Klaus Köhler, Gerd Höncher, Ortwin
Peschka, Bernhard Kirchner, Chris Berl, Jens Vogel, Horst Tittel, Steffen Götze
(mittlere Reihe, von links) Sigrun Berl, Heike Müller, Sophie Müller, Steffi Stock,
Thomas Arndt, Klaus Scholz, Dieter Kalkoff, Helmer Berl, Siegfried Lunkenbein,
Werner Müller jun., Frank Lindner, Werner Bubat, Annemarie Höncher
(vordere Reihe, von links) Ulrich Müller, Heinz Hoffmann, Otto Göpfert, Werner Müller
sen., Werner Schlömilch, Paul Höncher, Manfred Bodin, Herbert Dogge, Kati Kirchner
(vorn kniend) Olaf Schlömilch, Gerd Mai, Andre Herold
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 2002
Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 2002

(hintere Reihe, von links) Norbert Herzog, Marcel Müller, Tobias Höncher, Marcus
Schnetter, Stephan Müller, Chris Berl, Andre Herold, Frank Lindner
(mittlere Reihe, von links) Sven Lüttig, Sven Grieser, Annemarie Höncher, Rene
Körner, Steffi Stock, Thomas Körbs, Sigrun Berl, Andreas Müller, Werner Müller jun.,
Andreas Schneemann, Dieter Kalkoff, Helmer Berl, Steffen Schirmer, Siegfried
Lunkenbein, Thomas Arndt, Tino Tröbs, Ortwin Peschka, Axel Hänsch
(vordere Reihe, von links) Gerd Höncher, Werner Bubat, Olaf Schlömilch, Klaus
Scholz, Paul Höncher, Werner Müller sen., Jens Vogel, Ulrich Müller, Gerd Mai
 

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla im Jahr 2008
Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla bei der Fahrzeugübergabe im Oktober 2008 (Foto: Pake, Niederroßla)

Die Freiwillige Feuerwehr Niederroßla bei der Fahrzeugübergabe im Oktober 2008 (Foto: Pake, Niederroßla)

(hintere Reihe, von links) Marcus Schnetter, Tobias Höncher, Ortwin Peschka,
Andreas Müller, Werner Bubat, Mario Cyrus, Sakir Gürkan, Nico Schindler
(mittlere Reihe, von links) Jens Vogel, Ulrich Müller, Chris Berl, Tobias Freiberg,
Andreas Schneemann, Gerd Höncher, Werner Müller, Helmer Berl, Dieter Kalkoff,
Klaus Scholz, Norbert Herzog, Marcel Müller, Siegfried Lunkenbein, Thomas Arndt,
Steffen Schirmer, Andre Mokry, Ricardo Stegt, Falk Schumann, Stephan Müller, Tino
Tröbs, Achim Glomba, Steffi Stock, Sigrun Berl, Sofie Müller, Annemarie Höncher
(vordere Reihe, von links) Christofer Thyrolf, Pascal Vollmann, Lars Langrock, -,
Felix Bunzel, Hannes Schneemann, Samet Gürkan, Pascal Schindler, Max Haase
 

  Bedeutende Einsätze der Wehr:
  2004: Brandeinsatz in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar

  Besondere Auszeichnungen der Wehr:
  1990: Verleihung Medaille "Für hervorragende Leistungen im Brandschutz"
  2004: Thüringer Kulturpreis für den Brandeinsatz in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar
  2013: Auszeichnung zur Hochwasser - Fluthilfe im Jahr 2013

  Ortsbrandmeister der Wehr:
  1990-1993: Werner Müller (jun.)
  1993-2000: Ulrich Müller
  2000-2010: Jens Vogel
  seit 2010: Tino Tröbs (seit Gemeindeumbildung 2014 Wehrleiter)
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Quellen:
(1) "Hochfürstliche Sachsen-Weimarische, obervormundschaftliche Feuerordnung vor
     die Stadt Apolda, übrige Land-Städte, Flecken und sämtliche Dorfschaften des
     Fürstentums Weimar und dazu geschlagener Lande" Weimar 1760
(2) Ortschronik der Gemeinde Niederroßla, unveröffentlicht, ca. 1995
     Heinze, Oberroßla